Historie

100 Jahre namenlos - ein Poppenbüttler Weg wird getauft

Aus dem Alster-Anzeiger, Ausgabe 2542 vom 3. Dezember 1998

90 Schritte lang, drei Schritte breit (3,40 m), führt der Fußweg von einem Schenkel des "Moorhof-Y" zum anderen - postalisch Poppenbüttler Hauptstraße 11, neben dem Haus der Firma Melle vorbei. Dieser seit ewigen Zeiten namenlose Fußgängerweg soll nun endlich benannt werden und zwar in Rudolph-Schloo-Stieg.

Die Idee dazu hatte Schloos Enkel, Karl-Ernst Melle. Der Plan wurde inzwischen vom Senatsamt für Bezirksangelegenheiten und vom Staatsarchiv geprüft. Ergebnis: Rudolph Schloo wurde für würdig befunden, Namensgeber des Wegs zu werden. Auch der Leiter des Ortsamtes Alstertal, Michael Näfken, hält den Plan für eine nette Idee und der Ortsausschuß sprach sich während seiner letzten Sitzung ebenfalls dafür aus, die Namensgebung zu unterstützen. Nun braucht die Angelegenheit nur noch die Zustimmung des Bezirksamtsleiters Klaus Meister. Anschließend geht sie wieder ans Senatsamt und dann wird's Zeit für die entsprechenden Schilder.

Wer war nun eigentlich Rudolph Schloo? Er wurde auf dem Melle-Grundstück, einst Schloo-Grungstück, und das seit 1800, im ehemaligen Fachwerkhaus 1832 geboren, lernte Knochenhauer, heute besser bekannt als Schlachter, wurde dann Kaufmann und betrieb auf dem Familiengrundstück einen Landhandel, wo unter anderem Futter, Dünger und Holzpantinen den Besitzer wechselten.

Was ihn allerdings zum Namansgeber eines Poppenbüttler Weges machen wird, ist seine Arbeit als Gemeindevorsteher. 1898 übernahm er das Amt - vor genau 100 Jahren. Seine Ernennungsurkunde zum Gemeindevorsteher der damals 500 bis 600 Einwohner zählenden Landgemeinde Poppenbüttel im Kreis Stormarn stellte natürlich auch der Kreis Stormarn aus.

Schloo blieb im Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1910. Während seiner Amtszeit konnten sich die Poppenbüttler über enorme Verbesserungen in ihrer Umgebung freuen. Schloo ließ beispielsweise Regenwassersiele im Dorf verlegen, um die sumpfige Gegend - daher Moorhof - trockenzulegen. Einen original Moorboden findet man heute noch auf dem Grundstück der ehemaligen Räuckerkate an der Ecke Harksheider Straße / Moorhof. Vom Gut Hohenbuchen bis zur Bäckerbrücke ließ Schloo die frühere "Hauptstraße" von einem Steinmetz aus Bergstedt pflastern. Auch Ohlendiek, Moorhof und Harksheider Straße wurden bis zum Gaswerk am Glashütter Weg mit Feldsteinen befestigt und mit einem Fußweg versehen. Feldsteine deshalb, weil sie beim Bestellen der Felder aus den Äckern gesammelt wurden, um anschließend beispielsweise im Straßenbau nützlich zu sein. Vom Gaswerk wurden unter Schloos Regie Leitungen zum Dorf verlegt und die Poppenbüttler hatten eine Gasbeleuchtung. Außerdem verpflichtete er die Landwirte, abwechselnd Pferdegespanne zu stellen, die Feuerwehr- und Schneeräumdienst hatten. Im Schlooschen Landhandel, aus dem langsam ein Kolonialwarenhandel wurde, kauften die Landarbeiter derweil von ihren geringen Löhnen Zucker, Kernseife, Kautabak, Helbing-Kümmel und Petroleum.

Karl-Ernst Melle: "Das Faßlager für Petroleum war der Vorläufer der späteren Tankstelle."

Doch zunächst übernahm der Sohn Rudolf Schloo das Geschäft nach dem Tod des Vaters bis er 1914 eingezogen wurde. Daraufhin führte Tochter Emma, Kauffrau in Hamburg im Import und Export, das Poppenbüttler Geschäft weiter. Ihr Bruder fiel 1916 in Rußland. Zwei Jahre später heiratete Emma Schloo Johannes Melle.

Die beiden kombinierten 1919 das Kolonialwarengeschäft mit einem Elektroinstallationsbetrieb. Dazu kam in den 20er Jahren eine Tankstelle, die bis nach dem Krieg existierte.

 

Ihr Sohn Karl-Ernst übernahm 1946 den Familienbetrieb und begann mit zahlreichen Modernisierungsmaßnahmen. 1966 wurde Rudolph Schloos Geburts-Fachwerkshaus abgerissen. 1967/68 wurde im Rahmen der Neubauarbeiten auch gleich der namenlose Weg, der bei Matschwetter nicht passierbar war, ausgebaut und befestigt. Am 1. Januar 1985 stand dann wieder ein Generationswechsel ins Haus: Sohn Claus Melle, die dritte Generation, übernahm das Geschäft. Im März '94 konnte das 75jährige Bestehen des Elektrogeschäftes gefeiert werden. Bis zu Rudolph Schloos Urenkel hat das Geschäft viele Neu-, Um- und Anbauten erlebt - aber immer nur auf dem Grundstück ihres Gemeinde-Vorsteher-Ahnherrn, der nun dem 100 Jahre namenlosen Fußweg, direkt neben dem Haus, wahrscheinlich bald eine neue Identität geben wird. Laut Ortsamt wird das zukünftige Straßenschild nicht nur mit Rudolph-Schloo-Stieg beschriftet sein. Es ist der Zusatz Gemeindevorsteher von 1898 bis 1910 geplant.

Eine Sammlung historischer Bilder, samt Ahnentafel und Ernennungsurkunde, kann man übrigens ab dem kommenden Wochenende im Schaufenster der Firma Melle bestaunen. Weitergehende Informationen gibt es in der "Familiengeschichte der Familie Schloo und Familie Melle im Wandel der Zeiten seit 1800 in Poppenbüttel", die Karl-Ernst Melle zur Taufe des Fußweges fertigstellen möchte.